Artikel aus dem Darmstädter Echo aus 1999
Pilot wollte er als kleiner Junge eigentlich mal werden. "So wie halt jeder Knirps gerne mal Pilot werden will. Doch eigentlich war es schon sehr früh klar, dass ich, wie mein Vater auch ins Speditionsgewerbe gehe. Darauf war auch meine Ausbildung angelegt", erklärt der 43jährige zweifache Vater Volker Hofmann seine Biographie.
Der Vollblutspediteur gerät noch heute ins Schwärmen, wenn es um das Fahren mit den Giganten der Straßen geht. "So einen Laster zu fahren ist halt etwas Besonderes. Man sitzt zwei Stockwerke höher als die anderen Autofahrer und hat dadurch einen ganz anderen Blick für die Straße und das Geschehen.
Außerdem bieten die modernen Lastwagen mit Tempomat, Klimaanlage und allerlei Servohelfern zahllose Hilfen und vor allem jede Menge Komfort für den Fahrer. "Kein Vergleich mit den Gefährten unserer Vorfahren", weiß Hofmann.
In den dreißiger Jahren brachte ein firmeneigener Opel Blitz 64 PS, aus dreieinhalb Litern Hubraum und sechs Zylindern auf die Straße. Der Oldie verfügte dabei über nur 3,2 Tonnen Nutzlast. 5000 Reichsmark kostete das Nonplusultra damals. Ein aktueller Mercedes-Actros-Lkw kostet die Spedition heute in der Anschaffung etwa 200000 Mark. Dafür gibt es aber 12 Liter Hubraum, die gut für 400 Turbodiesel-PS sind. Auch die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge hat sich wesentlich gebessert, so Hofmann. Ein Actros muss nur noch etwa alle 100000 Kilometer zum Ölwechsel. Dann aber richtig: 33 Liter Motoröl schüttet ein Techniker in das Dieselmonstrum. 600 Liter Diesel führt ein Laster mit sich, wovon er sich pro hundert Kilometer etwa 35 Liter genehmigt. Nach etwa sechs Jahren tauscht die Lohr Spedition heute seine Fahrzeuge aus. Auch die Branche hat sich verändert. Sie sei schnelllebiger geworden. so Herr Hofmann. Früher habe man zwei Tage vorausplanen können. Heute stehe oft mittags noch nicht fest, wohin die nächste Tagestour führen wird.
Fortschritt für die Fahrer: Sie profitieren von der modernen Kommunikationstechnik. Alle Lohr-LKW` s haben Handys an Bord. Selbst die gute alte Tachoscheibe zur Aufzeichnung der Geschwindigkeit und Fahrzeit ist nicht mehr "in" Heute werden die Fahrdaten auf einer Diskette gespeichert.
Fragt man Volker Hofmann nach seinen drei Wünschen als Spediteur, überlegt er nicht lange. "lch würde die Sozialvorschriften lockern". Die Fahrer dürfen heute viereinhalb Stunden fahren und nach einer dreiviertel Stunde Pause weitere viereinhalb Stunden. Eine flexiblere Handhabung würde uns mehr Spielraum bei den Einsätzen der Fahrer verschaffen. Unzufrieden bin ich auch mit der starren Regelung bezüglich der Nutzlasten für die Fahrzeuge. Die liegen in anderen europäischen Staaten um einiges höher und schwächen die deutschen Spediteure im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern. Und schließlich müsste noch etwas gegen die enorme Preistreiberei auf unserem Sektor gemacht werden.
Die Spedition Lohr lebt heute vom Verfrachten von Markenartikeln durch ganz Deutschland. Sie ist außerdem eine von wenigen Metall-Fachspeditionen, die Güter mit einer Länge von acht Metern transportieren können. Volker Hofmanns Vater Walter wird im September 70 Jahre alt und kann sich immer noch nicht von seiner Arbeit trennen. Er war 35 Jahre im IHK-Püfungsausschuß tätig.
Auch Volker Hofmann arbeitet in diversen Gremien rund um das Gewerbe mit. Er gehört der IHK-Vollversammlung an, doziert an der Berufsakademie Mannheim über Sammelgut- und Kleingutverkehr und ist bei der Straßenverkehrsgenossenschaft Hessen eG in Frankfurt aktiv.
Auch für Privatleute die eher den Weg zur Post als zur Spedition gewohnt sind, ist die Spedition Lohr interessant. Denn Lohr verkauft auch Salz. Ob als Wasserenthärter für Spülmaschinen, Wasserenthärtungsanlagen oder als Streusalz für den Winter: Rund 1000 Tonnen jährlich verkauft die Spedition überwiegend an Privatkunden. Wer die bis zu 50 Kilo schweren Säcke nicht selbst abholen will (täglich zwischen 8 und 17 Uhr in der Pallaswiesenstraße 149 möglich), bekommt sie auch geliefert. Und dass die Traditionsspedition mit der Zeit geht, beweist der Einsatz modernster Kommunikationstechnik. Die Spedition Lohr ist sowohl per E-Mail (kontakt@lohr-spedition.de) als auch im Internet zu erreichen. Die Adresse dort lautet: www.lohr.spedition.de.
Im Mai 1899 gründete Philipp Heinrich Lohr in der Karlstraße 81 einen Flaschenbierhandel dem nach kurzer Zeit ein Mineralwasserhandel angeschlossen wurde. Das war die Geburtsstunde des Darmstädter Traditionsunternehmens Lohr, das heute eine Spedition und Salzhandel umfasst. Zur Auslieferung des Gerstensaftes und des Wassers machte sich Heinrich Lohr mit einem Pferdefuhrwerk auf den Weg. Da lag es nah, auch gleich Fahrgeschäfte mit zu erledigen. Lohr lieferte im Auftrag seiner Kunden Waren aus, fuhr zusätzlich im Sommer Holz aus dem Wald und im Winter Schnee von den Straßen. Bereits 1904 stand der erste von zahlreichen Umzügen an. Die Firma blieb in der Karlstraße einzig die Hausnummer änderte sich. 1917 der nächste Umzug: Lohr zog in die Nieder-Ramstädter-Straße 20 in das ehemalige Zollhaus der Stadt. Das Unternehmen wurde um einen Kohlehandel erweitert. Ein Jahr später wurde der endgültige Grundstein für die spätere Spedition gelegt.
Nach dem Eintritt von Johann Heinrich Lohr jr in den väterlichen Betrieb baute der das Fuhrgeschäft aus. In den zwanziger Jahren wurde das Geschäft in einen Getränke- und Kohlehandel und einen Fuhrbetrieb aufgeteilt und diesem schließlich die Salzhandlung angefügt. 1935 kaufte Heinrich Lohr jr. - inzwischen Vorsitzender der Fuhrunternehmervereinigung - seinen ersten Lkw. Mit ihm wurde er schnell Vertragsspediteur der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft Frankfurt.
Heinrich Lohr sen. starb 1937. Im September 1944 wurde das Anwesen in der Nieder-Ramstädter Straße zerstört. Doch schon im Mai 1945 wurde ein neues Büro in der Riedlinger Straße 8 eröffnet. Mit dem Fernverkehr begann man im Jahr 1951. Ein Jahr später trat der Schwiegersohn des Firmeninhabers, Walter Hofmann, in die Firma ein.
Ende der fünfziger Jahre kaufte die Firma das noch heute genutzte Gelände in der Pallaswiesenstraße und bezog dort 1961 Quartier. Zehn Jahre später traten die Enkel von Heinrich Lohr, Volker und Bert Hofmann, in die Firma ein. Bert Hofmann starb 1979 bei einem Unfall. Seit 1988 leiten Volker Hofmann und sein Vater Walter die Firma im gleichen Jahr starb Heinrich Lohr jun.
Zahlen, Daten und Fakten
Von 1935 bis heute wurden von der Spedition Lohr 124 Lastkraftwagen gekauft 23 davon alleine in den letzten zehn Jahren. Inhaber Volker Hofmann schwört dabei auf Modelle aus dem Haus Mercedes. Seit 1928 bis heute wurden 23 Lehrlinge ausgebildet. Die Firma beschäftigt aktuell 20 Mitarbeiter, verfügt über 5000 Quadratmeter eigenes Gelände in der Pallaswiesenstraße und hat weitere knapp 1000 Quadratmeter angemietet.
12 Lastzüge gehören zur Firma. Vier Lkw mit maximal 40 Tonnen Ladung sind im Fernverkehr eingesetzt. Acht kleinere Laster (bis 7,5 Tonnen) werden als Verteilerfahrzeuge im Nahverkehr eingesetzt. Die Lohrflotte spult jährlich etwa eine Million Kilometer ab.
Lohr-Spedition GmbH